Wer an dieser besonderen Außenstelle heiraten möchte, braucht als Erstes einen der wenigen Termine, die hier vergeben werden. Das Schloss Birlinghoven liegt in Sankt Augustin-Birlinghoven, gehört seit 1968 dem Bund und beherbergt heute verschiedene Fraunhofer-Institute. Standesamtlich getraut wird hier nur an festgelegten Samstagen, jeweils um 13, 14 oder 15 Uhr. 2026 gab es lediglich vier solcher Tage. Kimberley und Jan-Niklas hatten besonderes Glück in der Terminanfrage und konnten sich einen der Termine reservieren.
Das großzügige Gelände ist durch die besondere Lage und durch die dort befindlichen Forschungseinrichtungen von der Außenwelt abgetrennt. Hier fährt man nicht einfach wie bei den meisten Standesämtern mit dem Auto vor: Das Brautpaar muss alle Gäste einige Tage vor der Hochzeit mit Namen anmelden, damit am Hochzeitstag selbst die Ausweise der Gäste entsprechend kontrolliert werden können. Diese Vorgaben bespricht das Standesamt Sankt Augustin vorab mit dem Brautpaar. Dazu kommt etwas, dessen sich viele Paare vielleicht nicht richtig bewusst sind: Eine Besichtigung des Schlosses im Vorfeld ist nicht möglich. Wer sich für diesen Trauort entscheidet, betritt den Raum, in dem er heiratet, zum ersten Mal am eigenen Hochzeitstag.
Für mich als Fotograf heißt das zweierlei. Erstens: Zeitpuffer am Empfang einplanen. Der „Check-in“ am Eingang geht insgesamt zügig, doch ein paar Extraminuten müssen eingeplant werden. Die Ausweise der Gäste werden mit der vorher eingereichten Anmeldeliste abgeglichen. Je nach Größe der Gesellschaft kann das schon mal 10 Minuten dauern. Zweitens: Ich kann die Spots vorher nicht ablaufen, wie ich das sonst tue. So kann es passieren, dass zum Beispiel bestimmte Bereiche des Geländes, auf denen wir Fotos machen könnten, zu diesem Zeitpunkt nicht zugänglich sind. Was erst einmal nach einem Nachteil klingt, birgt eigentlich einen Vorteil, eine Besonderheit: Die Abgeschlossenheit der Location sorgt für komplette Privatsphäre. Keine Spaziergänger, keine parkenden Autos, keine fremden Menschen im Bild. Wer schon einmal an einem öffentlichen Schloss fotografiert hat, weiß, was das wert ist.
Am Hochzeitstag sind Kimberley und Jan-Niklas in einem alten Mercedes vorgefahren. Mit diesem durften sie als Einzige direkt bis zum Schloss vorfahren. Zum Schloss Birlinghoven passt das ausgesprochen gut, denn es ist keine mittelalterliche Burg, sondern eine schlossartige Villa, gebaut von 1901 bis 1903. Ein Oldtimer vor einer Fassade aus derselben Epoche ergibt ein absolut rundes Bild.
Die eigentliche Trauung findet im Roten Saal, der früheren Bibliothek des Hauses, statt. Hohe Decken, dunkle Holzvertäfelung, Kronleuchter, Platz für bis zu 42 Gäste. An diesem Tag hatte der Raum einen unerwarteten Vorteil. Draußen waren es 36 Grad, durch die Vorhänge stand die Sonne nicht im Raum, und drinnen blieb es warm und trotzdem erträglich. Bei einer Sommertrauung ist das kein Detail, sondern der Unterschied zwischen Genießen und Durchhalten.
Nach dem Ja-Wort ging es die Freitreppe hinunter Richtung Park, wo wir die Gelegenheit für Gruppenbilder genutzt haben. Die Treppe ist dafür wie gebaut: Sie staffelt die Gäste von selbst, und im Rücken steht das Schloss.
Der eigentliche Teil des Tages beginnt danach. Der Schlosspark ist ein Landschaftspark, angelegt ab 1901 vom Gartenarchitekten Rudolf Rausch und erst 1910 vollständig fertiggestellt. Man merkt ihm an, dass ihn seit über hundert Jahren jemand pflegt: breite, sauber geführte Wege, alter Baumbestand, dazwischen offene Rasenflächen und beschnittene Sträucher. Immer wieder öffnen sich Durchblicke, an deren Ende das Schloss steht.
Für ein Paarshooting ist das nahezu ideal, weil man nicht nach Motiven suchen muss. Man geht los, und alle zwanzig Meter steht das nächste bereit. Mal das Gebäude im Hintergrund, mal nur Grün in mehreren Tiefen, mal ein Weg, der sich wegkrümmt. Wir haben uns Zeit gelassen und sind, trotz der Hitze, weit gelaufen und haben uns von Schatten zu Schatten gehangelt.
Ein praktischer Hinweis für Paare, die hier heiraten: Weil die Trauzeiten mittags liegen, fällt das Paarshooting mitten in die härteste Sonne des Tages. Genau deshalb ist der alte Baumbestand so wertvoll. Unter den Kronen liegt Schatten, das Licht wird weich statt kontrastig, und man kann zwischendurch einfach stehen bleiben. An einem 36-Grad-Tag entscheidet das darüber, ob am Ende entspannte Bilder entstehen oder erschöpfte.
Ein wichtiger Hinweis: auf jeden Fall genug Wasser mitnehmen!
Liebe Kimberley, lieber Jan-Niklas, danke für diesen Tag und die besondere Begleitung.